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29
Jul

Meine Gedanken zur Berichterstattung über Fake Science

Ich habe die Fake Sciene-Berichterstattung und die Antworten vieler meiner KollegInnen die letzten Tage verfolgt und ich denke, dass die wichtigsten Dinge gesagt wurden. Über das Wochenende habe ich mir allerdings noch einmal Gedanken insbesondere zu zwei Punkten gemacht.

Ich gehöre zu dieser Gruppe von WissenschaftlerInnen, die einmal in einem Raubverlag veröffentlicht haben. Wir, meine Co-Autorin und ich, hatten uns damals (2013) für ein Journal von Scientific Research Publishing entschieden, weil wir in guten Journals unserer eigenen Disziplinen nicht untergekommen sind. Diese Tatsache zeigt eigentlich, dass die Qualitätskontrolle im Wissenschaftssystem gut funktioniert, denn: Wir haben uns – als Nicht-Literaturwissenschaftlerinnen – mit der Analyse der Freundschaftsnetzwerke in den Harry Potter-Büchern beschäftigt. Wir wollten die Arbeit in jedem Fall publizieren, da der verwendete Datensatz aufgrund bestimmter Eigenschaften sehr gut in der Methoden-Lehre eingesetzt werden kann. Der Artikel an sich ist auch aus meiner heutigen Sicht für den Zweck, für den wir ihn geschrieben haben, sehr gut. Hinsichtlich des Journals ist uns auch damals als jungen Nachwuchswissenschaftlerinnen schnell aufgefallen, dass es irgendwie ein komisches Journal ist, wenn unser Beitrag neben einem bunten Mix aus natur- und ingenieurwissenschaftlichen Artikeln erscheint. Wir wussten auch, dass unsere KollegInnen diese Publikation einordnen können und sie nicht als bedeutenden wissenschaftlichen Beitrag für unsere jeweiligen Disziplinen verstehen. In der Tat habe ich damals aber nicht bedacht, dass ich mit einer Publikation bei diesem Verlag ein System unterstützen könnte, was die Verbreitung unseriöser Studien fördert. Ich dachte, dass es da durchaus eine gewisse Qualitätskontrolle gibt und da nur richtige WissenschaftlerInnen publizieren, aber eben solche Arbeiten, die entweder nicht ganz perfekt waren oder wie unsere aus der Reihe tanzten und daher nicht in die klassischen Journals passten. Dass dem nicht so ist, ist mir erst in den letzten Jahren nach und nach aufgegangen. Ich hatte auch vermutet, dass die Kenntnis über dieses Problem in der Wissenschaftsgemeinschaft mittlerweile allgemein Verbreitung gefunden hätte.

Aber die Recherchen von WDR, NDR und Süddeutsche Zeitung zeigen [1], dass diese Erkenntnis in der Wissenschaftsgemeinschaft doch nicht so verbreitet ist wie ich dachte und dass auch noch in den letzten Jahren WissenschaftlerInnen auf Raubverlage reingefallen sind. Somit ist es definitiv gut, dass die Medien auf dieses Problem aufmerksam gemacht haben. Wichtig und hilfreich sind dabei vor allem unaufgeregte und sachliche Analysen, wie die von Markus Pössel [2], um dem Problem auf den Grund zu gehen. Ich glaube aber auch, dass es bereits viele Gegenmaßnahmen gibt. Dazu gehören nicht nur Kriterien für gute Open Access Publikationen, sondern die immer besser werdende institutionalisierte Betreuung des wissenschaftlichen Nachwuchses.

Das ist aber nun die eine Sache. Dass Missstände aufgedeckt werden ist gut und wichtig. Nur die Art wie insbesondere Exclusiv im Ersten [3] berichtet hat, halte ich für schwierig. Im Grunde wurden zwei Dinge vermischt. Es gibt Fake Science in dem Sinne, dass es Gruppen von Menschen gibt, die unter dem Deckmantel der Wissenschaft schlechte Studien produzieren und publizieren. Ziel dieses Vorhabens ist die Vortäuschung falscher Tatsachen und damit einhergehend die Täuschung der Gesellschaft. Das ist das eine. Das andere ist, dass es die richtige Wissenschaft gibt, die eine recht gut funktionierende Qualitätskontrolle hat, aber dass Raubverlage zum Beispiel meinen oben beschriebenen naiven Pragmatismus ausnutzen, damit Namen renommierter Forschungsinstitutionen gemeinsam mit unseriösen Studien in einem Journal auftauchen können. Diese beiden Punkte sollte man meines Erachtens in einer investigativen Berichterstattung trennen.

Denn mit der Vermischung dieser beiden Dinge passiert genau das, was die JournalistInnen – so vermute ich – definitiv nicht wollen und was letztlich auch das Ziel von Fake Science ist: Die Täuschung der Gesellschaft. Wenn in einem Beitrag Bilder von Fake-Konferenzen und vom Lindauer Nobelpreisträgertreffen gezeigt werden, dann gibt es für die die ZuschauerInnen keine eindeutige Trennung mehr zwischen Fake Science und Wissenschaft. Damit spielt man dem Publikum, das ohnehin an wissenschaftlichen Erkenntnissen wie der Existenz eines Klimawandels zweifelt, in die Hände, wie Robert Gast auf Spektrum schon treffsicher feststellt [4]. Neben dieser fehlenden sauberen Trennung, kommt hinzu, dass die Emotionalisierung des Themas und hier insbesondere das Spiel mit der Angst nichts mit investigativ zu tun hat. Investigativ bedeutet, dass Fakten aufgedeckt werden. Ich habe aber manchmal den Eindruck, dass investigativ mittlerweile als Synonym für „reißerisch über einen Skandal berichten“ verwendet wird. Wenn Fakten umrahmt von Bedrohungsszenarien präsentiert werden, dann verstärkt das ein Gefühl der Verunsicherung beim Publikum [5]. Mir ist klar, dass man in einer Reportage vielleicht auch ein Stück weit emotionalisieren muss, damit das Thema überhaupt Beachtung findet. Man sollte sich aber auch der negativen Wirkung bewusst sein: Eine Unsicherheit, die tatsächlich existiert, wird durch Emotionalisierung stärker wahrgenommen. Es ist nämlich wirklich so wie es bei Exclusiv im Ersten dargestellt wurde: Wir leben in einer Welt, in der es immer schwieriger wird, zwischen Wahrheit und Unwahrheit zu unterscheiden. Das führt in der Tat zu Unsicherheit. Unsicherheit sollte man aber mit Fakten und Wissen und nicht mit Emotionen begegnen. Daher ist es wichtig, dass wir Vertrauen in die Säulen unserer Gesellschaft, wie der Wissenschaft und den etablierten und seriösen Medien stärken. Ich glaube, dass eine dramatisierende Berichterstattung hier nicht wirklich hilfreich ist.

[1] https://www.ndr.de/nachrichten/investigation/Dossier-Das-Geschaeft-mit-der-Wissenschaft,fakesciencedossier100.html

[2] https://scilogs.spektrum.de/relativ-einfach/abzock-zeitschriften-den-daten-auf-der-spur/

[3] https://www.daserste.de/information/reportage-dokumentation/dokus/exclusiv-im-ersten-fake-science-die-luegenmacher-102.html

[4] https://www.spektrum.de/kolumne/dieser-begriff-kann-der-wissenschaft-nur-schaden/1579216

[5] Dazu gibt es viele (seriöse) wissenschaftliche Erkenntnisse angefangen bei den grundlegenden Arbeiten von Kahneman‘s und Tversky’s hin zu vielen aktuellen Studien im Zusammenhang mit dem Thema Immigration wie zum Beispiel von Brader, Valentino und Suhay (https://www.jstor.org/stable/25193860?seq=1#page_scan_tab_contents).

17
Jun

Sunbelt Conference in Utrecht

Only nine days to go… Together with Emilien Paulis, I host a panel on Social Networks and Political Participation at the Sunbelt conferene in Utrecht. Looking forward to all the interesting and great papers. You find the detailed programme here.

 

10
Jun

CfP Community in Crisis? Political Identification in Europe

Together with my great colleague Amanda Machin, I organise a workshop on political identifaction in Europe. The workshop takes place at Zeppelin University in Friedrichshafen in October. We are especially happy that we are cooperating with the Heinrich Boell Foundation Baden-Württemberg to organise a public keynote speech and debate during the workshop. Here you find more information. We are looking forward to receiving many interesting abstracts.

 

 

25
Mrz

MPSA Annual Conference 2018

I am very happy and proud that Valentina Consiglio will present our joint work on „Policy Information and the Attitude towards Asylum Seekers“ at the MPSA Annual Conference 2018. In the paper, we used two online survey experiments to assess the framing effects of policy information on the attitudes towards asylum seekers. Our results show how even communications of apparently ‚dry‘ information about policy decisions can influence attitudes. I am especially proud because the paper is based on Valentina’s Bachelor Thesis for which she conducted the first experiment. She finished her Bachelor last spring and in the meantime we conducted the second experiment together. The new results helped us to gain a (first) better understanding of how different individuals might be prone to different frames. Definitively, research we need to continue.

25
Nov

Session „Social Networks and Political Participation“ at the Sunbelt Conference

I am happy to organise together with Emilien Paulis a session on Social Networks and Political Participation at the Sunbelt Conference which takes place in Utrecht end of June. More information you find here.

20
Okt

Jamaica?!

In Germany, we can observe an „government formation experiment“ right now. CDU/CSU (Conservatives), FDP (Liberals), and Bündnis 90/Die Grüne (Greens) might form the so-called Jamaica (black, yellow, green) coalition. It would be the first of its kind on the national level in Germany. But will it really happen? Observers are critical because the parties have very different positions on many important topics (immigration, Europe, environment, … just to mention a few). I think it will happen. Why? Here you can find my thoughts (in German only).

18
Sep

EUSN 2017 in Mainz

Only one week to go… The European Conference on Social Networks (EUSN) 2017 takes place in Mainz from 26th to 29th September. I am looking foward to many interesting presentations especially in my panel on the ‚The role of social networks to explain political behaviour and attitudes‘. For more information, check out the conference programme.

31
Aug

Diversity in Higher Education

Phillip Cinkul will present the project „Paths to a diversity-friendly university: development and implementation of demand-oriented and subject-specific measures“ at the 26th EAN Annual Conference. The conference takes place in Giessen from 20th to 22nd September 2017. The presentation is a joint work together with Anna Blank and I am really happy that we have the chance to present it. Phillip will tell some interestings findings and stories about my former work at the University of Konstanz. During the project, we tried to find out the needs and requirements of different „diversity groups“ and to implement measures „to help“ them. Doing so, we learned a lot … not only about some „diversity groups“ but also about how we need to understand diversity. If you want to know more, you need to go to the EAN Annual Conference and listen to Phillip’s talk.

 

02
Jul

Interview on the CorrelAid Blog

Here you can find an interview with me on the CorrelAid Blog (in German only). CorrelAid is a great initiative of young data analysts who offer data analyses servcies to NGOs.

27
Jun

Elections in Germany

Some thoughts on the elections in Schleswig-Holstein and North Rhine-Westphalia in ZU|Daily. Here you can find the complete article (in German only).